Allgemein

EIGENTLICH…


… eigentlich war der Plan ein einfacher. Der nächste Blogeintrag sollte ein simpler Eintrag werden, wo ich mit Stolz geschwellter Brust kurz und knackig über die erfolgreich bestandene Begleithundeprüfung referiere. Zugegeben ich hätte herausgestrichen, dass wir bis zu 4x die Woche trainiert haben und dass wir die Prüfung nicht einfach nur bestanden haben, sondern mit „Gut“ absolvieren konnten & das obwohl wir nicht mit unserer – mittlerweile zur Normalität gewordenen – Höchstform angetreten sind. Er schon; ich nicht!

Eigentlich … TATSÄCHLICH haben sich die Ereignisse aber überschlagen.

Der Hund hatscht ab und an, sein Sprunggelenk schwillt bei Wetterumschwüngen und Überlastung an und wir wissen, dass er Vorgeschichte hat. Als Welpe wurde er in einem automatischen Tor eingezwickt & bei einem Unfall 2016 wurde sein Sprunggelenk in Mitleidenschaft gezogen. Man weiß nicht genau was passiert ist. Er ist nach Freigang mit gebrochenen Haxerl heimgekommen. Vermutlich Kollision mit Auto (wo auch, wie wir jetzt wissen, Hüfte zertrümmert wurde). Versorgung und OP in Türkei; man weiß nicht genau, was wie versorgt wurde.

Ohne dass sich Sansli‘s Situation in letzter Zeit maßgeblich verändert oder gar verschlechtert hätte, hat mir nach der Prüfung mein Bauchgefühl gesagt, wir sollten des Buben Beinchen und Becken einem Röntgen unterziehen. Man rechnet mit einem eventuell nicht prickelnden Befund, aber wenn dann von Einschläfern, nur mehr 1 Jahr… die Rede ist, wird der Alptraum schnell Realität. 1 Tierarzt & 2 Tierkliniken später sieht die Sache schon wieder ein wenig anders aus, aber wir kennen mich: UM GOTTES WILLEN, mach ich auch wirklich das Richtige & vor allem das Beste für den Buben?

Kurze Chronologie:

Tierarzt 1: Röntgen unter Vollnarkose 1 – rechte Hüfte kaputt, linkes Sprunggelenk kaputt. Hüfte & Sprunggelenk nicht (mehr) reparabel, alles athrotisch & mehrfachst zertrümmert, vermeintlich höllische Schmerzen – quasi Endzeitstimmung pur. Seit dem Schmerzpulver und CBD

Wenn wir schon von Einschläfern reden, dann muss definitiv eine 2. Meinung her, also –

Tierarzt 2 auf meinen Wunsch Ferndiagnose (aufgrund nicht optimaler Röntgen von Tierarzt 1) – ev Tumor am Haxerl, Hüfte reparabel

Tierklinik 1: erstmalige Untersuchung des Haxerls und weitere Röntgen unter Vollnarkose 2. Hüfte kaputt, reparabel. Problem/ schmerzhafteres Teil eher Haxerl – kann man versteifen aber mit Risiken

Nachdem von für Buben doch riskanten & großen Eingriff die Rede ist, wofür auch unser Sparschwein einen wesentlichen Beitrag leisten muss, will ich natürlich eine weitere Meinung (ich mache ja selbst beim Kauf von Wäschekörben eine halbe Doktorarbeit, umso mehr brauche ich in solch einem Fall min 100h Google und definitiv einen weiteren Arzt…) also –

Tierklinik 2: erstmalige Untersuchung der Hüfte & Observation des Gangbildes. Sprunggelenk hin, aber eventuell Bruch unter Sprunggelenk, massiveres & schmerzhafteres Problem ist die Hüfte. Sprunggelenk muss in CD abgeklärt werden, Hüfte nochmals geröntgt, weil sie für OP & Prothesen vermessen werden muss.

Neuerlicher Termin in Tierklinik 2. Gemetzle bei Narkose (des Buben’s 3.) setzen – mehr als 1,5h Wartezeit obwohl alles in ca 30 min abgehandelt werden sollte. Bruch so kompliziert, dass Hüfte nur durch eine Armada von 4 Ärzten wie benötigt platziert und geröntgt/ vermessen werden konnte. Hund beim Aufwachen herzzerreißen ungeschickt und die anhänglichste und treuste Seele, die man sich vorstellen kann.

Sprunggelenk wie vermutet unter Gelenk gebrochen, schmerzhaft, aber nicht die größte Tragödie im Knochengerüst meines Hundes. Hüfte mehrfach und kompliziert gebrochen. Sanierbar. Erhöhtes Risiko –  eventuell alles schon stark verknorpelt, da Unfall lange aus & die (sonst) sehr stabile Knochenstruktur kann eventuell Probleme beim Setzen der Prothesen für Hüftpfanne- & Hüftknochen machen, sprich splittern. Erfolgsaussichten aber ok & vermeintliche Schmerzfreiheit zumindest auf einer Seite seines Körpers in Aussicht.

Abgesehen davon, dass der Hund so tapfer alles über sich ergehen lässt, nicht sauer, sondern fixierter denn je auf mich ist, obwohl ich ihn dem allem unterziehe – MACHE ICH AUCH DAS RICHTIGE? Wo ist die Grenze von Helfen & nicht loslassen können (nebensächlich, dass ich wo Unterkunft suchen/ finden/ mieten muss, wo ich nach OP mit Hund für min 2 bis ca 6 Wochen wohnen kann, weil er keine Stufen steigen soll)?

Gedankengewitter in meinem Kopf – welche OP, ob OP, wie weiter mit Betreuung, wieviel soll er mich wohin begleiten etc etc ABER wie tapfer ist der kleine Held, dass er Training mitgemacht hat, sich hunderte Male hingesetzt und gelegt hat mit solchen Brüchen und dabei mir gegenüber nicht einmal nur einen Anflug von Aggression hatte, sondern vor Aufregung noch geschwanzelt hat, weil ich so eine Freude hatte, wenn er etwas richtig gemacht hat. Rührend & wenn ich ihm nur ein paar (schmerzfrei(er)e) Jahre schenken kann, natürlich mache ich das, in der Hoffnung, dass ich erkenne, wenn es eigentlich nur mehr um mich geht.